Ganz Wien trägt grien

Was einst der Titel eines Chansons aus Martin Flossmanns Simpl-Revuen lang vor der Politkarriere von Freda Meissner-Blau war, begegnet uns heute in ebenso komischer Weise in den Straßen von Wien. Die bereits affichierten Wahlplakate der Grünen offenbaren nun doch deren Hang zu beißender Selbstironie. Die Annahme, bei der Schöpfung der dargelegten Inhalte wäre es den Umfragen-sechs-Prozentlern todernst gewesen, wirkt zu verwegen.

Spitzenkandidatin Ulrike Lunacek posiert da beispielsweise mit einem blondschöpfigen Kind. Eines, das sie im Zuge ihrer partnerschaftlichen Orientierung rein biologisch grundsätzlich nie, und (mit einer Peruanerin an ihrer Seite) im streng nordeuropäischen Phänotyp schon gar nicht bekommen könnte.

Darunter prangt das scheinbar gelungene Wortspiel: „Sei ein Mann: Wähl eine Frau.“ Anstatt mit dem alten grünen Feminismus-Thema zu punkten (zum Beispiel: „Sei kein Mann: Sei eine Frau.“, was auch hervorragend zur Spitzenkandidatin passen würde), bedient man den uralten, überkommenen männlichen Überlegenheitsgedanken. Wer angesichts dessen ob der Ernsthaftigkeit noch unsicher war, bekommt nun die Offenbarung der Persiflage: „Das ist grün.“ steht im knallrosa-farbenen Balken darunter.

Der aufmerksame Beobachter entlarvt in Kürze die Heiterkeit, in der jene Wahlwerbung entstanden sein muss. Bei sechs Prozent wäre hartnäckiger Ehrgeiz aber ohnehin fehl am Platze.

 

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